Die 4 Farben des spanischen Blatts
Das spanische Tarot ist vom Tarot de Marseille inspiriert, unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt: es hat keine großen Arkana und keine Damen. Die Figuren beschränken sich auf Bube (sota), Reiter (caballo) und König (rey). Hier gibt es keine Hohepriesterin und keinen Gehängten, die die Symbolik tragen: die 4 Farben halten die gesamte Struktur des Spiels allein.
Das Blatt besteht aus 40 Karten in 4 Reihen von je 10, die den vier Elementen entsprechen:
Diese Aufteilung ist kein Zufall: die vier Farben standen ursprünglich für die Stände der mittelalterlichen spanischen Gesellschaft – die Schwerter für den Adel und das Militär, die Kelche für den Klerus, die Münzen für Kaufleute und Geld, die Stäbe für Land und Handarbeit. In der Deutung behält jede Farbe diesen Ton: Schwerter sprechen von Konflikten und Mut, Kelche von Liebe und Gefühlsleben, Münzen von Wohlstand, Stäbe von Anstrengung und Produktivität.
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Eine Deutung über die Zahlen
Der Reichtum des spanischen Tarot kommt nicht von einzelnen „Archetyp“-Karten wie in anderen Decks, sondern von einem numerologischen System, das jede Farbe für sich besitzt.
Jede Zahl vom Ass bis zur 7 markiert eine Etappe innerhalb des Themas ihrer Reihe: einen Anfang, eine Entwicklung, eine Vollendung. Danach stehen die Figuren (Bube, Reiter, König) für Personen oder für Situationen.
Nehmen wir als Beispiel die Farbe der Kelche (Gefühle, Liebe):
Ass der Kelche
Ein Anfang: ein neuer gefühlvoller oder romantischer Aufbruch.
Reiter der Kelche
Eine Person: eine Nachricht oder ein Angebot der Zuneigung.
König der Kelche
Die Vollendung: die Beherrschung der Gefühle.
Dieselbe Logik – vom Anfang (Ass) bis zur Meisterschaft (König) – gilt für die 3 anderen Farben, jeweils auf ihr eigenes Thema bezogen: das Materielle bei den Münzen, das Handeln bei den Stäben, die Entscheidungen bei den Schwertern.
Versuchen wir es noch einmal. Ein zweites Beispiel, das zeigt, dass die Entwicklung nicht immer auf denselben Rängen liegt:
4 der Stäbe
Die aktuelle Lage: die Lust loszulegen ist da, getragen von einem Schub an Zuversicht.
Ass der Kelche
Äußerer Einfluss: ein neuer Liebesanfang, der sich um Sie herum ankündigt.
Reiter der Münzen
Ein Rat: mit Methode vorgehen, ohne zu drängen.
Die Deutung beginnt nun nicht mehr beim Herzen (Kelche), sondern beim Handeln (Stäbe): Ausgangspunkt ist hier Ihr eigener Antrieb und Ihr Zutrauen zum Handeln, nicht ein Gefühl, das schon da ist. Der neue Liebesanfang (Ass der Kelche) wird damit zur Folge dieser Energie – er steht als „äußerer Einfluss“ und nicht als Ausgangspunkt.
Dieselbe Karte wiegt je nach Position unterschiedlich schwer: die 4 der Stäbe an erster Stelle „eröffnet“ die Erzählung, an zweiter oder dritter Stelle wäre sie nur ein Faktor unter mehreren.
Und wie bei jedem Wahrsagetarot ist es am Ende das Zusammenspiel der Karten, das die Deutung schärft.
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